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Fehlzeiten und Krankenstand in Zahlen

Wie hoch ist der Krankenstand, welche Erkrankungen verursachen die meisten Fehltage und was kosten Ausfälle die Wirtschaft? Aktuelle Daten von WIdO und BAuA, grafisch aufbereitet.

Lesezeit ca. 7 Minuten Stand: Oktober 2026 2 Quellen

Woher die Zahlen kommen

Die wichtigste Quelle für Fehlzeiten in Deutschland sind die Daten der Krankenkassen. Dieser Beitrag stützt sich vor allem auf den Fehlzeiten-Report 2025 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Er wertet die Krankschreibungen von rund 15 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitgliedern für das Jahr 2024 aus.[1]

Je nach Quelle unterscheiden sich die Werte, weil Kassen Kalendertage zählen, andere Statistiken nur Arbeitstage, und weil kurze Erkrankungen ohne ärztliche Bescheinigung in Krankenkassendaten fehlen. Die Größenordnung und die Entwicklung stimmen aber überein.

Der Krankenstand ist gestiegen

Über viele Jahre lag der Krankenstand ziemlich stabil um 5,3 %. 2022 sprang er auf 6,7 % und ist seitdem kaum gesunken. Das WIdO führt den Anstieg der Atemwegserkrankungen 2022 auf die Corona-Pandemie zurück und ab 2023 auch auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, durch die Krankschreibungen vollständiger bei den Kassen ankommen.[1]

Abbildung 1 Krankenstand 2014 bis 2024 Anteil der arbeitsunfähig gemeldeten AOK-Mitglieder im Jahresdurchschnitt

Krankenstand in %

Jahr Krankenstand
2014 5,2 %
2015 5,3 %
2016 5,3 %
2017 5,3 %
2018 5,5 %
2019 5,4 %
2020 5,4 %
2021 5,4 %
2022 6,7 %
2023 6,6 %
2024 6,5 %

Quelle: WIdO, Fehlzeiten-Report 2025, Abb. 24.2 [1] – eigene Darstellung.

Ein Krankenstand von 6,5 % heißt: An einem durchschnittlichen Tag waren 6,5 von 100 Beschäftigten krankgeschrieben. Auf das Jahr gerechnet waren AOK-versicherte Beschäftigte im Schnitt 23,9 Kalendertage arbeitsunfähig, und knapp zwei Drittel (63,6 %) hatten mindestens eine Krankschreibung.[1]

Welche Erkrankungen die meisten Fehltage verursachen

Sechs Krankheitsarten bestimmen das Bild. An der Spitze stehen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, also vor allem Rücken, Nacken, Schultern und Gelenke.

Abbildung 2 Anteil an allen Fehltagen 2024 nach Krankheitsart AU-Tage der AOK-Mitglieder in %
  • Muskel-Skelett
    19,8 %
  • Atemwege
    15,1 %
  • Psyche
    12,5 %
  • Verletzungen
    9,3 %
  • Herz-Kreislauf
    4,5 %
  • Verdauung
    3,9 %
  • Sonstige
    34,9 %

Quelle: WIdO, Fehlzeiten-Report 2025, Abb. 24.25 [1] – eigene Darstellung.

Häufigkeit und Dauer sind dabei zwei verschiedene Dinge. Atemwegserkrankungen führen zu den meisten Krankschreibungen, im Schnitt aber nur zu knapp sechs Tagen Ausfall. Psychische Erkrankungen sind seltener, dauern aber fast fünfmal so lang.

Abbildung 3 Wie lange eine Krankschreibung im Schnitt dauert Arbeitsunfähigkeitstage je Fall 2024, AOK-Mitglieder
  • Psyche
    28,5 Tage
  • Verletzungen
    19,2 Tage
  • Herz-Kreislauf
    18,3 Tage
  • Muskel-Skelett
    15,7 Tage
  • Verdauung
    6,6 Tage
  • Atemwege
    5,9 Tage

Quelle: WIdO, Fehlzeiten-Report 2025, Abb. 24.28 [1] – eigene Darstellung.

Wenige lange Fälle, viele Fehltage

Die meisten Krankschreibungen sind kurz: 37,2 % dauern nur ein bis drei Tage. Für den Krankenstand spielen sie aber eine kleine Rolle. Den Ausschlag geben die langen Fälle.

Abbildung 4 Kurze Fälle sind häufig, lange Fälle kosten die meisten Tage Anteile an Krankschreibungen und Fehltagen 2024 nach Dauer, AOK-Mitglieder in %
  • Anteil an den Krankschreibungen
  • Anteil an den Fehltagen
  • 1–3 Tage
    Anteil an den Krankschreibungen: 37,2 %
    Anteil an den Fehltagen: 7,1 %
  • 4–7 Tage
    Anteil an den Krankschreibungen: 33,6 %
    Anteil an den Fehltagen: 16,1 %
  • 8–14 Tage
    Anteil an den Krankschreibungen: 16,5 %
    Anteil an den Fehltagen: 16,2 %
  • 15–21 Tage
    Anteil an den Krankschreibungen: 4,8 %
    Anteil an den Fehltagen: 7,9 %
  • 22–28 Tage
    Anteil an den Krankschreibungen: 2,2 %
    Anteil an den Fehltagen: 5,2 %
  • 29–42 Tage
    Anteil an den Krankschreibungen: 2,3 %
    Anteil an den Fehltagen: 7,6 %
  • mehr als 6 Wochen
    Anteil an den Krankschreibungen: 3,3 %
    Anteil an den Fehltagen: 39,9 %

Quelle: WIdO, Fehlzeiten-Report 2025, Abb. 24.5 [1] – eigene Darstellung.

Für Betriebe ist das eine wichtige Erkenntnis. Wer Fehlzeiten senken will, gewinnt am meisten, wenn lange Ausfälle verhindert oder verkürzt werden. Das ist der Bereich des betrieblichen Eingliederungsmanagements, das genau ab sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit greift. Und es ist der Bereich, in dem Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Erkrankungen dominieren.

Was Arbeitsunfähigkeit kostet

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzt jedes Jahr, was Arbeitsunfähigkeit volkswirtschaftlich kostet. Für 2024 rechnet sie mit durchschnittlich 20,8 Arbeitsunfähigkeitstagen je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer.[2]

Abbildung 5 Volkswirtschaftliche Kosten der Arbeitsunfähigkeit 2024 Schätzung der BAuA für Deutschland
Arbeitsunfähigkeitstage je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer im Durchschnitt
20,8
Arbeitsunfähigkeitstage insgesamt
881,5 Mio.
Produktionsausfall, berechnet über die ausgefallenen Lohnkosten
134 Mrd. €
Ausfall an Bruttowertschöpfung
227 Mrd. €

Quelle: BAuA, Kosten der Arbeitsunfähigkeit 2024 [2] – eigene Darstellung.

Für einen einzelnen Betrieb sind diese Summen abstrakt. Greifbarer ist die Rechnung im eigenen Haus: Jeder Fehltag bedeutet Lohnfortzahlung, Vertretung, Überstunden im Team und manchmal verschobene Aufträge.

Was Betriebe daraus ableiten können

  • Eigene Zahlen anschauen: Viele Krankenkassen erstellen für Betriebe ab einer bestimmten Größe anonymisierte Gesundheitsberichte. Sie zeigen, welche Krankheitsarten im eigenen Haus dominieren.
  • Bei Muskel-Skelett-Erkrankungen ansetzen: Sie verursachen die meisten Fehltage und lassen sich durch Ergonomie und Bewegung gut beeinflussen. Mehr dazu im Beitrag Rückengesundheit.
  • Psychische Belastung ernst nehmen: Sie führt zu den längsten Ausfällen. Mehr dazu im Beitrag Psychische Gesundheit.
  • Lange Fälle früh begleiten: Ein gut gemachtes BEM ist eines der wirksamsten Mittel gegen lange Ausfälle.

Quellen

  1. [1] Schenkel, A.; Meyer, M.; Düring, A.; Baumgardt, J. (2025): Krankheitsbedingte Fehlzeiten in der deutschen Wirtschaft im Jahr 2024. In: Badura, B. et al. (Hrsg.): Fehlzeiten-Report 2025. Berlin, Heidelberg: Springer. Datenbasis: rund 15 Mio. erwerbstätige AOK-Mitglieder. https://doi.org/10.1007/978-3-662-71885-8_24
  2. [2] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit. Schätzung für das Jahr 2024. Dortmund. https://www.baua.de/DE/Themen/Monitoring-Evaluation/Zahlen-Daten-Fakten/Kosten-der-Arbeitsunfaehigkeit.html

Alle Grafiken sind eigene Darstellungen auf Basis der jeweils genannten Quelle. Werte sind gerundet wie in der Originalquelle angegeben.

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